Sonntag, 22 Okt 2017
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Riserva Naturale dei Calanchi PDF Drucken E-Mail

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Wie entsteht ein Calanco?

Das Naturschutzgebiet von Atri besteht aus einer der faszinierendsten  Landschaftsformen der Adria, den Calanchi. Diese beeindruckenden geomorphologischen Phänomene werden auch 'Bolge' oder 'Scrimoni' genannt. Die für die Calanchi typische, fortschreitende Bodenerosion ist sowohl auf die Abholzung des Waldes in der Vergangenheit zurückzuführen als auch auf die ständige Austrocknung und Auswaschung des Lehmbodens. Für die Entstehung eines Calanco bedarf es nämlich einiger wichtiger Voraussetzungen:

  • ein vorwiegend aus Lehm bestehender Boden mit einem gewissen Prozentsatz an Sand,
  • ein starkes Gefälle,
  • eine vorzugsweise nach Süden ausgerichtete Lage und
  • ein Klima, für das starke Regenfälle und lange Trockenperioden charakteristisch sind.


Der Lehmboden ist trocken und pulverförmig, mit Spalten und Rissen an der Oberfläche. Wenn er durchnässt ist, wird er leicht formbar.
Die vorhandenen Mineralien enthalten nur wenige Nährstoffe für die Pflanzen, die sich nur schwer auf ihm ansiedeln können. Auf einem trockenen Lehmboden verursachen die Wassertropfen eines heftigen Regens die Ablösung kleiner Lehmpartikel; das Wasser läuft schnell an der Oberfläche und in den Spalten ab, trägt die Lehmpartikel fort und bildet so Wasserrinnen. Diese werden immer breiter und tiefer und bilden mit der Zeit ein dichtes Kanalsystem in Miniaturformat, dessen weitere Vergrößerung schließlich die Zerfurchung des ganzen Steilhangs zur Folge hat. Die kleinen und leichten ausgewaschenen Lehmpartikel sammeln sich am Fuß des Calanco an und werden von den Wasserläufen bis ins Meer getragen. Im oberen Teil des Calanco ist das Gelände durch das starke Gefälle sehr instabil. Kleine Erdrutsche lösen sich ständig vom Steilhang ab und verursachen eine allmählich fortschreitende Ausbreitung des Calanco bis an die Spitze des Hügels.

Diese Bergformationen, die Calanchi, sind in vielen Gegenden der Abruzzen anzutreffen, aber nur in der Umgebung von Atri sind sie so prägend für die ganze Landschaft.

Das Naturschutzgebiet, das von der Region 1995 eingerichtet wurde, hat eine Fläche von ungefähr 380 Hektar und erstreckt sich vom 'Colle della Giustizia' (dem "Gerichtshügel") in 468 m Höhe hinunter bis ins Tal des Flusses Piomba in 106 m Höhe. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, denn sie umfasst nicht nur die Steilhänge der Calanchi, sondern auch Wassergräben, kleine Seen, Buschwäldchen, kultivierte Felder und Aufforstungsbereiche.

Der Agriturismo NIDO dei CALANCHI befindet sich in diesem Naturschutzgebiet auf ca. 300 m Höhe.